Mama, das Handtuch riecht nach Menschenopfer
Dezember 19th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Bislang hat sich das Weihnachtsfest 2011 friedlich angelassen. Der ideologische Brimborium um die “weihnachtsmannfreie Zone” des letzten Jahres hat offensichtlich einen guten Kompromiss gefunden: selbst die hartgesottensten Werber haben eingesehen, dass das Werben mit rotgepolsterten Speck-Dumbledores nicht so ganz den Sympathiezug erbringt, den man sich für sein Produkt erhofft. Überhaupt fällt der alljährliche “Schenken Sie …!” Imperativ dieses Jahr relativ mild aus; hat der Protest an Kapitalismus und Konsum (mit Ausnahme von Medienkonsum) schon die Beachtung der Werber bekommen? Gleichviel, wer im Jahr 2011 meint mit Produktabbildung und Weihnachtsmann sei Weihnachtswerbung schon getan, ist offensichtlich nicht hartgesotten sondern abgebrüht.
Wie sehr der Kapitalismus und Konsumismus unsere Hirne verformt hat, zeigt sich am Berliner Börsentag 2011. Der Mut zum Schockvisual ist schon wirklich bewundernswert, die Frage, welche kranken Hirne eigentlich für den Börsenirrsinn verantwortlich sind, findet einen bildhaften Niederschlag.
Aber die Berliner sind eh hart drauf.
Kunst ist’s meist wenn man davor steht, nicht weiss, was man damit anfangen soll, es aber trotzdem teuer ist. Der Bahnhof Frankfurt/Main wird diesbezüglich als Installationsfläche genutzt. Zuerst mit einem Automaten für Kunsthandwerk, wo man seltsames Zeug zu richtig hohen Preisen aus der Schublade ziehen kann, jetzt auch mit einer Rieseninstallation zum Thema “trockene Lippen küsst man selbst an einer geliebten Person nur widerwillig”. Diese Installation sieht aus, als ob sie anders geplant worden wäre, irgendwo im Entwicklungsstadium ging ein Clou verloren – z. B. dass die Schrift negativ aus den aufgestöpselten Labellos heraustreten könnte – übrig bleibt ein gewaltig Ding mit vielen blauen Frusterlebnissen, denn die Stifte (pflück) sind leer.
Was bleibt? Die Kampagne “Kein Mensch passt in eine Schublade!” … gerade das Gegenteil zeigt doch eigentlich jede Woche der Tatort, wo die zweckdienlichen Kühlschubladen meistens anschaulich vorgestellt werden.
Läuft irgendwo ein Spot, wo ein Kleinkind zur Mami gerannt kommt und strahlt, seine Kuschelwäsche rieche nach Opferstätte, wo tausenden Menschen das noch schlagende Herz aus dem Körper gerissen wurde? Nein? Dann meint auch Pabst Benedikt 16 sicher etwas anderes als Weichspüler, wenn er das “Mysterium der Kirche” wieder hervorgehoben sehen möchte. Oder doch nicht?
In diesem Kontext auch ein neues Genre auf dem Werbemarkt: die “Religion ist nicht so schlimm” Kampagne. Neulich gab’s schon eine der evangelischen Kirchen in DE zum Thema “Buss- und Bettag” mit dem Tenor “Seid nicht so gierig”; leider hörte man in diesem Kontext nichts von einem Verzicht der ev. Kirchen auf die jährlich prasselnden fetten staatlichen Dotationen. Jetzt auch neu: “Islam ist Liebe”. Ist ja auch wirklich ein gut gemeinter Ratschlag: also, Jungs, immer schön die Frau (welche eigentlich von den vieren?) gut behandeln, dann gibt’s auch Pluspunkte beim Propheten.
Zum Schluss noch was aus einem klassischen Horrorfilm: durch Zufall stößt jemand auf die Eier einer unheimlichen vergessenen Kreatur und eh man sich’s versieht wimmelt es schon von rasch heranwachsenden Monstern.
Lauft, Leute, lauft um euer Leben!









