Identitätskrisen in der Subjektivität

16. November 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ich werde gerne „Verbraucher“ genannt. Ich freue mich immer, wenn das Begleitschreiben eines neu erworbenen Produkts mich „Käufer“ nennt, und wenn jemand in den Raum hineinruft „befindet sich ein Nutzer im Saal!?“ dann stehe ich auf und schreie „Hier, ich! Ich bin Nutzer! Wie kann ich Ihnen nützlich sein?“

Nutzen ist toll, seitdem die Nutzerfreude (Joy-of-use) erfunden wurde und in keiner Präsentation fehlen darf. Auf die eine oder andere Art und Weise nutze ich jeden Tag, das ist nicht neu, mit „Carpe Diem“ befahl das schon Horaz. Natürlich tue ich das nicht allein, ich habe eine Menge Mitnutzer, weshalb man mich in Zielgruppen einordnen kann. Sollte man aber nicht tun. Denn ich habe in der Postmoderne irrationales Verhalten studiert und habe das Seepferdchen im Gegen-den-Strom-schwimmen.

Zielgruppen: in diesen geordneten, anonymen Heerscharen dräut die Angst Adornos vor der regulierten Masse. Im individuellen Nutzer realisiert sich das Ideal des kommerziell und emotional verantwortlichen Stoppelbarts der Beck’s-Werbung. Zielgruppen fluktuieren wie Wähler, die Nutzer sind frei wie die Gedanken. Nutzer sind hübsche junge Leute, die neben dem Nutzen noch andere Hobbys und ein erfülltes Leben haben. Zielgruppen sind alle immer ausgerechnet dann in der Stadt, wenn man selber auch etwas einkaufen möchte. Nutzer kriegen süße Kinder mit netten Namen wie Max, Victor, Sophie, Katharina; Zielgruppen nennen ihren Nachwuchs Kevin und Jasmin und schicken ihn auf Problemschulen.

Bah, fürchterlich, man möchte zu keiner Zielgruppe gehören. Allein schon die Angst, dass Strategic Planner hinter der Ecke lauern können, eh dass man sich versieht gibts eins auf die Birne, und im nächsten Moment bist du unterwegs in der Zielgruppe der 30-45jährigen, mittleres Einkommen, gehobene Bildung, so weit vom schönen New Orleans im sonnigen Louisiana.

Nein, ich möchte Nutzer bleiben, autonom nutzend, souverän entscheidend, mit der Lizenz zum Spieltrieb, unabhängig von Horx und Gott und Satan, nur der intuitiven Führung mich unterwerfend und dem Bauchgefühl.

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