Die Gedanken sind frei(gestellt)

17. Februar 2010 § Ein Kommentar

Schnee ist schön, wenn man gut eingepackt oder von einer warmen Wohnung auf ihn schaut, Bahnfahren ist schön, wenn man – anders als die von der Lage, der Wetterlage und Grube gekniffenen Limburger, die als letzte in den ICE 813 steigen müssen – einen Sitzplatz hat und auf den schönen Schnee gucken kann, und die soziale Lage ist schön, wenn man im ICE 813 zur anspruchsvollen, gutbezahlten Arbeit fahren kann und sich nicht darum prügeln muss, irgendwo einen Scheißjob an Land zu ziehen.

Man könnte also sagen, dass sich die eigene Lage nur aus dem Kontrast zu der von anderen definiert, denn sicherlich gucken die Limburger, die sich im Gang an den Kopflehnen des ICEs festhalten, gelangweilt und verdrossen auf meinen Laptop-Bildschirm und denken sich „uh, ich müsste auch was arbeiten“. Können sie aber nicht. Sie müssen stehen.

Nun redet aber einer daher, dass sich Arbeit wieder lohnen muss, und meint damit, dass sich Nichtarbeit nicht mehr lohnen soll. Es lohnt sich hier, der Entrüstung den Spiess herumzudrehen: was sollen diese blöden Sprüche? Wann hat der denn zum letzten Mal nicht gearbeitet? War der überhaupt jemals arbeitslos, hat er verzweifelt nach einem Job gesucht, weil dieses dämliche, verlogene Credo -– Arbeit muss sich wieder lohnen – ihm einmal die Schattenseite zeigte, nämlich: Mensch, du lohnst dich nicht für uns?

Nun ist Überflüssigsein und Schmarotzertum an der Gesellschaft nicht gerade etwas, was Arbeitslose und Unterschichten für sich gepachtet haben. In den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts hat man solche Leute eher in den unverdient besserverdienenden Klassen gesehen. Es ist die Angst vor dem Wiederauftauchen dieser Erkenntnis, die solche Leute antreibt, „Arbeit muss sich wieder lohnen“ zu sagen (und ihr Einkommen für Verdienst zu halten).

Würden die, welche auf der Tasche der Gesellschaft liegen ohne ihr zu nutzen, plötzlich auf der Straße stehen, es stünden viele Türme und einige Regierungsgebäude leer. Ehrenbürger stünden da, Leute, mit denen sich der Oberbürgermeister auf der Gala zeigt, Leute, die den Staat und damit die Gesellschaft durch Aufträge, Verflechtungen, Lobbyismus auspressen, effizienter und besser als das der ungebildete Arme und seine Familie kann. Ach ja, und den Außenminister würde man auch auf der Strasse sehen. Warum? Weil er nichts kann außer rumschreien. Er hat halt nichts vernünftiges gelernt (Rechtsanwalt? ich muss doch bitten) – und müsste er auf einmal einen neuen Job beginnen, würde es den Staat erst einmal kostspielige Umschulungen kosten.

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§ Eine Antwort auf Die Gedanken sind frei(gestellt)

  • Clara sagt:

    das Thema regt mich auf – WW regt mich auf.
    Unsere Hartzigen sind arbeitslose Fürsten? Mal gesprungen, gedanklich.

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