Der Osterbuddha

29. März 2010 § Ein Kommentar

Vor ein paar Jahrzehntchen rüstete sich noch das organisierte Christentum über einen Osterhasen am Kreuz ent, mit dem Titanic (oder war es noch Pardon?) den Titel schmückte. Sowas nennt man Lästerung. Die kommt allerdings selbst kaum mit, wenn die Kräfte der Dekoration walten, so viel kriminell-destruktiv-soziopathische Energie bringt selbst der finsterste Atheist nicht auf.

Der Kölner Hauptbahnhof ist ein 50er-Jahre-Bau, also aus der Zeit, als Neonbeleuchtung modern und toll war. Um ihn modernen Bedingungen anzupassen wurde die umbaute Masse noch einmal mit weiteren Einkaufspassagen segmentiert, denn wo viele Menschen sind, sind viele Bedürfnisse. Hier wurde schon immer experimentiert: so wurde z. B. die Post in einen Zeitschriftenladen integriert, bis der keinen Bock mehr darauf hatte, die ganzen doofen Postschlangen in seinem Laden herumstehen zu haben, welche die Zeitschriftenkunden behindern und blockieren. Deshalb gibt es jetzt gar keine Post mehr im Kölner Hauptbahnhof, nur zwei gelangweilte Wandroboter, der eine spuckt Briefmarken aus, der andere schluckt Pakete. Die Bahnhofsalkis sonnen sich gerne im gelben Glanz dieser Automaten.

Eigentlich ist der Hauptbahnhof allerdings sowieso nur die Bahnsteige oben. Auf ebener Erde befindet sich etwas, das auf Marketingdeutsch Colonnaden heißt; wisst ihr, von Colonna, die Säule, und irgendwie auch von Köln, denn Säulen gibt es da keine, nur ein paar dusslige Gusseisenpfeiler. Die Colonnaden haben ein Center-Management, das lieber gut gelaunte und gut gekleidete Konsumenten sich zwischen den Pfeilern treiben lassen sieht als schlurfende Bahnhofsalkis; um die Schattenseiten der schlecht belechteten Neonhallen zu verbergen fühlt sich das Management bemüßigt, dann und wann zu Dekozwecken Freiflächen mit Erde, Gras und Zeug zu belasten, gewissermaßen Kleingärtnerei zu betreiben. Und das sieht dann so aus.

Osterbuddha

Nun ist der dekorative Wert von sanften Buddhen und shintoistischen Steinlampen nicht abzustreiten. Kreuze haben diesen Wert nicht – spätestens seit 89 v. d. Zw., als die 6000 Gefangenen des Spartakusaufstands an der Via Appia gekreuzigt wurden, hat man sich satt gesehen. Das nächstchristliche Symbol, das Osterlamm, passt zwar gut auf Frühlingswiesen, aber nicht so gut zum Thema „Asien“ mit seinen Andeutungen von tieferer Weisheit und lächelnder Annäherung an die Erleuchtung.

Von der der Kölner Bahnhof so weit, so unendlich weit entfernt ist, in jeglicher denkbarer Hinsicht.

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§ Eine Antwort auf Der Osterbuddha

  • sufranke sagt:

    mit diesem Beitrag bist Du der Erleuchtung näher, als Du annehmen magst. Auch ohne Oster-Buddha. Ich hab mal wieder herzlich gelacht ob Deiner Wort-Kreationen. Danke.

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