Form und Sinn

7. April 2010 § 3 Kommentare

Menge und Form simulieren Sinn und Inhalt (wer schon einmal eine richtig schöne lange Politiker-Rede gehört hat oder versuchte, sich durch einen zünftig komplexen Rechtstext zu fräsen, weiss, was ich meine, zugegebenerweise fallen unter diese Regel auch Grass, Knopp, Horx und Blogs.

Leider verschwindet täglich immer noch zuviel Lebensarbeitszeit in den Gullys dieser Adipositas verbosa („Dicke-Worte-Schwingen“) und viele Leser wenden sich nicht nur enttäuscht, sondern auch voller übergewichteter Worte von den Texten ab. Doch das muss nicht sein!

Um die Sinnfindungsarbeit abzukürzen hat eine Camarilla von verschworenen Designern die Gestaltungsstereotype entwickelt. In jahrzehntelanger Geheimarbeit wurden Textformen entwickelt, die bereits zehn Meilen gegen den Wind ihren Sinn verbreiten, ohne dass man den Text auch nur lesen muss.

Erinnert sich hier noch jemand an Willy Fleckhaus und das sagenhafte Gestaltungskonzept der Suhrkamp Taschenbücher? Knallbunt, alle die gleiche Schrift, differenzierbar über die Farbe und die Autoren? Was war ich stolz, dass die Doktorarbeit meines Freundes Ulrich Kühne („Die Methode des Gedankenexperiments“) den selben Einband hatte wie mein eigentliches Lieblingsbuch („Die gierigen Dinge des Jahrhunderts“ von Arkadii und Boris Strugatzki). Wenn sich hier jemand an dieses geniale Design erinnert, sollte er/sie es schnell vergessen. Das Gegenteil ist gut. Und es sollte noch ausgeweitet werden auf den Inhalt, denn noch dominieren überkommene Maximen von Lesefreundlichkeit und Handlichkeit.

Meine Meinung ist: auf einen groben Klotz passt ein grober Keil, eindeutige Inhalte brauchen eindeutige Formen. In diesem Sinne weitergesponnen ist das ultimative Buch eigentlich das mit leeren Seiten, in das man seine eigenen Inhalte füllt … nebenbei, habe ich euch eigentlich schon mein neues MacBook gezeigt?

Und nochmals nebenbei: Hausaufgabe bis zur nächsten Stunde: finde endlich ein WordPress-Layout, das zu meinen Texten passt … Vorschläge willkommen.

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