Niedersachsen kann mir den Buckel runter rutschen

5. Mai 2010 § Ein Kommentar

Liebe Lesende, die Überschrift dieses Blogs hier ist die harmlosere einer ganzen Reihe von Assoziationen die ich mit der – mittlerweile nicht mehr ganz so neuen – Tourismuswerbung Niedersachsens hatte. Es ist natürlich immer schwierig, VIELFALT zu kommunizieren; es fehlt der Fokus, die prägnante, deutliche Heraushebung einer Aussage, bildlich, textlich, was auch immer. Deswegen bildet die Bildaussage ein ungesundes Gekrabbel auf einem Frauenkörper ab.

Das wäre an sich schon so idiot- wie sexistisch, und schlimmer noch, eskapistisch. Der sanft gebogene, grazile Frauenkörper ist das Sinnbild für Wellness, und Wellness ist das Leipziger Allerlei der positiven Alltagsbewältigungs- und Erholungsstrategien, in denen schöne Frauen so selten sind wie die Freizeit. Das sexy Hohlkreuz der zugrunde liegenden Erdmutter suggeriert geradezu alpine Verhältnisse im überstwiegend bügelbrettflachen Niedersachsen. Das Land, üblicherweise repräsentiert von einem blassen Ministerpräsidenten und einem Adelsüberbleibsel mit Tourette-Syndrom, will sich auf dem Plakatmotiv von seiner schönsten Seite zeigen – aber selbst diese Seite ist eine Rückseite.

Der Spruch „Genieße dich selbst“ hingegen ist ein wahrer Leckerbissen doppelter Sinnlichkeit. Verbunden mit dem entzückend schönen Rücken kann das in einer englischen Übersetzung nur heissen: Lower Saxony, go fuck yourself.

Natürlich werden die Befürworter des Plakats nun sagen, „wieso, es ist doch ein Hingucker“ – ein Hingucker ist ein Verkehrsunfall auch. Was meint ihr, weshalb mir das Plakat aufgefallen ist? Doch eines muss ich ihm zugute halten (dem Plakat): es ist ein Plakat. Es versucht komplexer zu kommunizieren als das nebenan geklebte Papier für irgendein blutrünstiges Killerbuch bzw. das andere für historischen Frauenschmonzes. Der Versuch ist es wert, honoriert zu werden, und deswegen geht mir der Tourismus Niedersachsens auch nicht völlig am Arsch vorbei.

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§ Eine Antwort auf Niedersachsen kann mir den Buckel runter rutschen

  • Annette sagt:

    Interessant, wie du das Plakat auseinandernimmst. 😉
    Das regt an, genauer hinzusehen, und deshalb habe ich heute einen Flyer, ebenfalls Tourismuswerbung, von vorn bis hinten kritisch angeschaut. (Fand ihn aber ganz ok.)

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