Make Love, not Frauenfussball

14. Juni 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

An das Grauen des zweiten Weltkriegs muss immer aufs Neue erinnert werden, auch wenn nette Mädchen lieber auf den Gräbern Fussball spielen wollen. Ist dem Frauenfussball denn gar nichts mehr heilig? Trotz der Beteuerung, statt Kriegsverbrechen zu begehen ganz brav sein zu wollen („fair play“) stehe ich dem Projekt „Bolzplätze der Erinnerung“ befremdet bis ablehnend gegenüber; es geht nicht an, unsere Toten unter den Rollrasen schieben zu wollen, denn erstens: war das erst kürzlich die Auflösung bei „Mankells Wallander“ und zweitens: man darf nicht alles glauben, was im „Ihr Reiseplan“ in den ICEs steht.

Wenden wir drum unsere vom Kummerkopfschmerz gesportbeutelten Köpfe den schönen Dingen der Welt zu, wie zum Beispiel dem Umstand, dass es schöne Dinge gibt. Als Mensch schätzt man menschliche Köpfe sehr. Smilla Dankert, die mit ihrem wunderschönen Blog „Anders-Anziehen.de“ so fleissig wie brilliant über ausgefallene Mode und deren einfallsreiche Träger schreibt, kann einem leicht übergewichtigen Mann, der an Midlifecrisis und ingeniöser Obstipation leidet, einen Teil der Begeisterung wiedergeben, die er einstmals als Porträtklassenschüler beim (von mir) zu den Göttern erhobenen Münsteraner Professor Herrmann (+ 2002) lernte. „Sie müssen die Haare mit mehr Liebe zeichnen“ sagte er damals. Und auch „Sie müssen überhaupt mit mehr Liebe zeichnen.“ Danke!

Und nochmals Danke: ein Flohmarkt in der Kölner „alten Feuerwache“ birgt im Hinterzimmer eine Verkaufsaustellung netter junger Graffiti-Sprayer, die ihre Kunst verkaufen wollen, darunter diesen genialen Pappschädel. Der wäre auch bei Designers‘ Skulls eine Zier und potenzieller Gewinner. Wie gesagt, als Mensch mag man Köpfe. Trotz aller Versuche der ästhetischen Umleitung („Körperkult“, „Bodybuilding“) können sich die meisten Leute ein Leben ohne Kopf nicht vorstellen, und das ist auch gut so.

Und noch etwas: ich mag es auch, wenn Rentner ihre Piepmatz-Lieblinge an einem schönen Tag ins Fenster an die frische Luft stellen. In der Geste liegt soviel von Liebe, Fürsorglichkeit und dem Ideal eines würdevollen Lebens im Alter, dass ich glatt wieder an die Rente glauben könnte, die unserer Generation versprochen wird wie den Generationen des vorletzten Jahrhunderts das „Jenseits“. Der Gedanke verliert sich in den Interpretationsmöglichkeiten von „Abschalten“, „Ausschalten“ und „Ausknipsen“, aber das ist an diesem Sonntagabend das einzige, das sich verliert, denn Deutschland gewinnt 4:0.

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