Von Kunst und Technik und Hannover

14. Juli 2010 § Ein Kommentar

Es gab einmal eine Zeit, da waren Künstler geachtet, aber nicht besonders angesehen, denn schließlich haben sie sich bei der Arbeit die Hände schmutzig gemacht. Kunst hiess Techne, der weiterlebende Begriff Technik bezeichnet allerdings eher die zweite Hälfte der ursprünglichen Bedeutung von „Kunstfertigkeit“. Bringt man die Technik zurück in die Kunst, kommt dabei sowas raus wie Art + Com, und die Hochdifferenziertheit der Bewegungen, der Formen und die Pfiffigkeit der Idee simuliert eine Transzendenz der Bedeutung, wie man sie auch einem vergoldeten Hochaltar oder einem 2 x 4 Meter-Rubens ansehen kann: Omnium ad maiorem gloriam BMWi. Mehr steckt da wirklich nicht hinter. Heute werden die Kunstwerke ausgeklügelt, man macht sich also die Köpfe schmutzig, und dabei ist es egal ob man nun BMW-Autos vergöttert oder obskuren Quatsch mit einer Mischung aus Bauchgefühl, halbverstandenem Hegel und nichtverstandenem Adorno beschwört: es ist schön, dass man Künstler heute wieder achten kann, aber nicht besonders hoch ansehen. Das Zeitalter des messianischen Sinnstifterkünstlers ist vorbei.

Uff, endlich, wurde auch Zeit.

Man kann sich schöneren Dingen zuwenden, z. B. Hannover, offenkundig war nach der steckengebliebenen Niedersachsen-geht-mir-am-Arsch-vorbei Kampagne noch Geld über oder Schaltungsplätze belegt, also ran an die Plakate, frisch zum Ferienbeginn in NRW. Da könnte man doch glatt Urlaub in Hannover machen, ist ja schließlich ger nicht weit von hier, mit seinen schönen Herrenhäuser Gärten. Als Kölner kommt man mit Brühl oder Benrath auf Näherliegendes, aber trotzdem. Hannover ist ganz okay unter den zerbombten, gnadenlos modernisierten, fussgängergezonten und verkehrsflüssig gemachten Städten Deutschlands. Fahren Sie ruhig mal hin.

Plakate auf dem Kölner Hauptbahnhof, wo neulich noch der Buckel hing.

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§ Eine Antwort auf Von Kunst und Technik und Hannover

  • Annette sagt:

    Beim Lesen des ersten Abschnitts musste ich daran denken, was Erich Fromm über modernen Götzendienst schreibt – in „Haben oder Sein“, glaube ich. Passt vielleicht nicht hundertpro – aber so belesen bin ich leider nicht. Ist auch nicht negativ gemeint, denn ganz ohne Haben geht es nicht und einiges davon ist auch ganz schön. 😉

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