Ich habe ein Konto bei der Blair Witch Bank

2. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Angebot und Nachfrage bestimmen die Wirtschaft, das erzählt das übermüdete Sandmännchen schon den Kindern. Das ist das Schöne an meinem Beruf, das, was mich immer ganz bescheiden am Boden hält: zu wissen, dass – wenn es nur ein kleines bisschen weniger von dem gibt, was die Leute haben wollen – mein Beruf so hoffnungslos überflüssig wird wie der des Diktatoren.

Ein Beruf, der sich im Grunde darauf zurückschrauben lässt, „möchtest du lieber das oder lieber das?“ zu fragen (und dabei das eine, was man loswerden möchte, besser anzupreisen) kommt natürlich immer wieder in die Versuchung, nicht das eine gut- sondern das andere schlechtzureden. Manchmal ist das auch ganz witzig, eben wenn man es humorvoll macht.

Humor ist aber ein trickreich‘ Ding. Eigentlich dient Humor dazu, Leuten den Spiegel vorzuhalten, auf dass sie lachen können und sich trotzdem ändern (was ansonsten nur durch Strafen oder kosmetische Chirurgie geschieht). So gesehen zeigt uns der bekannte Spot der deutschen Sparkassen, welcher eine Vorstandssitzung bei der „08/15 Bank“ persifliert, eigentlich ein Selbstbild – wäre da nicht das Medium Fernsehspot, in dem klar gemacht werden kann, dass die Sparkasse gerade nicht die „08/15 Bank“ ist. Aha.

Aber erfolgreiche Spots werden irgendwann zu Plakatmotiven, und da schwappt das Humorvolle ins Lächerliche: Das Bildmotiv des Sparkassen-Citylightplakats zeigt die 08/15-Bank, welche mir eine Pyramide hinhält. Kennt noch jemand den Ausdruck „Pyramid Scheme“, im deutschen auch „Schneeballsystem“? Auf den ersten Blick könnte man glatt denken, Mann, so ehrlich sind die Banken – bezeichnen sich als 08/15 und werben mit Pyramid Schemes, so offen hat Bernie Madoff das nicht gemacht. Aber wie immer bei Banken lohnt es sich, das Kleingedruckte zu lesen, und da steht dann ganz brav irgendwas von Vorsorge. Na gut, das kann auch die 08/15-Bank.

Ich bin ganz froh, mein Konto bei der Targobank zu haben. Zum einen weil ich „Citi“ schon immer irgendwie peinlich fand, zum anderen weil deren Logo mich an „Blair Witch Project“ erinnert, und weil die Werbung so dermaßen schön unauffällig ist. Unsichtbares Design ist gut! Vor allem dann, wenn man das dauernde Gebrüll und Gehampel so richtig herzlich über hat.

Wenn es darum geht, zu zeigen, was man anbietet, macht es Ameropa richtig: Sie bieten Reisen an, für Leute ab 60 (Betonung also auf „Opa“). Moment mal , sie selber sind sechzig Jahre alt. Kommt aufs gleiche raus.

Alt werden ist doof, mit 45 darf ich das jetzt auch behaupten, alt werden macht doof, das zeigt die zunehmende Demenzrate, und wer im Leben nicht vor die Hunde gegangen ist hat durchaus Chancen, das nach dem Tod zu tun, das verspricht zumindest die WSPA.

Und im Zeitalter von Willi und Kate muss Barbie auch wieder ihren Ken bekommen, sogar mit Haaren. Der wird zwar nicht beim Namen genannt, aber beim homo (sapiens) coronatus europeanus oder dem gemeinen europäischen Hausmonarchen ist ohnehin das Weibchen bunter und interessanter als das Männchen. So be it. Werdet glücklich, Barbie und Ken, für 9,98 statt 19,98.

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