Papst und Puffreis

1. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon wieder habe ich lange nichts geschrieben, bzw. nichts was sich hier wohl fühlen würde. Irgendwie hat sich ja doch eingebürgert, dass ich mehr über Werbephänomene berichte, die drängen sich mir zumindest auf, ich kann sie nicht übersehen wie der Hals-Nasen-Ohrenarzt das Rhinophym.

Was hat der Papst mit Japan zu tun? „Nippon“ heisst hierzulande ein Puffreisriegel, sträflich lecker und mit einfacher, gradliniger Plakatwerbung. Wenn also Plakate, die für den Papst werben, neben Werbung für Nippon hängen, ist das wohl die einträchtigste, friedlichste und unverfänglichste Nähe von Papst und Puff im öffentlichen Raum. Wobei die Papstplakate ein gewisses Maß an Verdutz mit sich bringen; brauchen die wirklich Plakate, um die Stadien etc. voll zu kriegen? Der Kommunikationsweg über die Kirchen scheint wohl nicht mehr das richtige Publikum zu ziehen. Und die Papstplakatveranlasser haben augenscheinlich kein Vertrauen und keine Ahnung vom einen wie vom anderen.

Friedliches Nebeneinander von Papst und Puffreis

Alle hassen die Bahn, nur die, die sie lieben, hassen sie nicht, aber man kann nirgendwo so viele Leute Autozeitungen lesen sehen wie in den Pendlerzügen – umgekehrt liest vermutlich wirklich niemand im Auto „DB mobil“, das kann man denen aber wirklich auch nicht verdenken. Man sieht aber auch sofort, wenn Autofahrer Werbung für Bahnhöfe machen: sofort quält man sich mit den Bahn-Terminologien aus der langen Phase deutscher Bahnbegeisterung: „Höchste Eisenbahn“, „Anschluss verpassen“ – liebe Autowerber, genauso könnte man im Gefängnis mit „Lass‘ dich nicht so hängen!“ kalauern, so wirbt man nur, wenn man diese Werbung nicht sehen muss, nicht Bahnfahren muss, wenn man sich in der sicheren Sphäre von SUV, Satelliten-TV und Vorstadt bewegt.

So wirbt nur jemand, der nicht täglich Bahn fährt

Aber ich kann diesen Text nicht beschließen, ohne dem Ganzen eine positive Wendung aufzudrücken, die Papst und Bahn absehbar nicht nehmen. Eine Freundin machte mich unlängst auf die Werke des amerikanischen Autors H. Beam Piper aufmerksam, der in der Mitte des letzten Jhs. Hauruck-Science-Fiction schrieb; wie wenn man Milch trinkt, um einen zu scharfen Geschmack aus dem Mund zu bekommen griff ich nach Carl Amerys „An den Feuern der Leyermark“, das ich vor zehn Jahren in den Fingern hatte und dessen knorziges Bairisch mich schwer anging. Der Mann war ein Genie!!! Nicht nur, dass er im Alleingang den Steampunk erfand, er hat ihn außerhalb jeglichen etablierten Genres zu einem einsamen Höhepunkt geführt, das Bairisch entfaltet eine geradezu goldene Pracht und ob der politischen, sozialen und kulturellen Vision könnt‘ man weinen vor Rührung, und ich tat’s.

Advertisements

Tagged:, , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Papst und Puffreis auf Der alte Montagsfisch.

Meta

%d Bloggern gefällt das: