Heute ist ein wundervoller Tag zum Sterben

19. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Todeswunsch des Berufsbahnfahrers ist ausgeprägter als der anderer Menschen. So ist es zu erklären, dass sich auf den Flyerchen „Ihr Reiseplan“ öfters mal Werbung dafür findet, was man doch mit seinem aufgehäuften Vermögen machen soll, für den Fall dass es einen einmal „derhutzt“ (fränk.). Den Hunden vorgeworfen werden hatten wir schon. Überhaupt ist die Bahn nicht besonders erfreut darüber, wenn irgendwas übrig bleibt. In den Großraumwagen wurden die Abfallbehälter am Platz entfernt, bitte stopfen Sie ihre Butterbrothüllen und Bananenschalen in die Netze an den Sitzen vor sich.

 

Anzeige der Johanniter: bitte beim Sterben an sie vererben.

Du steigst aus, die Kohle fährt weiter.

Ich frage mich ja doch, wes Geistes Kind man sein muss, um seine Hinterlassenschaften auf eine Anzeige in einem Wegwerfblättchen in der Bahn hin irgendeinem Verein zu hinterlassen, und sei es ein so respektabler wie die Johanniter. Sind diese Ans-Sterben-Denkenden wirklich so beschränkt, verbittert, einsam? Entweder man hat sich schon immer für die Ziele des Vereins begeistert – dann kann man auch eine Spende zu Lebzeiten in Betracht ziehen. Oder auch nur eine Leihgabe! Oder es ist einem egal, was nach dem Tod mit den Überresten passiert – dann kann man es auch der Verwandtschaft oder dem Staat überlassen.

Ja, warum nicht dem Staat! Wer hierzulande ein wirklich großes Vermögen hat, hat es in 90% der Fälle sowieso dem Staat aus den Rippen geleiert. Da kann man auch das Zurückgeben lernen.

Man kann den Schotter natürlich auch den Kirchen überlassen. Die leben ja davon, dass irgendwas nach dem Tod passiert; außerdem betonen sie immer, dass man „dorthin“ nichts mitnehmen kann. Sie betonen auch, dass man sich keinen Platz im Himmel erkaufen kann, aber Schenkungen und Erbschaften nehmen sie mit Kusshand. Wundert man sich da über den allerchristlichsten Exbundespräsidenten, der sich seine Integrität von niemandem abkaufen liess (aber die gut gemeinten Geschenke seiner lieben Freunde natürlich nicht ablehnen konnte)? Vielleicht gibt es ja bald einen noch christlicheren. Das wirsche „Wir sind Papst“ der Bild bekommt einen drohenden Unterton.

Dabei lohnt es sich durchaus, über das Ende nachzudenken. Es gibt nicht viel, was ein gutes Ende hat, damit meine ich aber noch nicht einmal ein Happy End der Marke „Sie kriegen sich“ sondern einfach einen würdevollen, stimmigen Abschluss von irgendetwas – von einem Projekt, einem Lebensabschnitt, einem Beschäftigungsverhältnis. Es gibt ja Leute, die behaupten, es gäbe gar kein Ende, sondern nur Veränderung und Neubeginn. Diese Leute sind Priester, Berufsberater und Change Management Consultants, und allen dreien ist es wichtig, dass man ihnen ihre Glaubenssätze abkauft. Möglichst noch zu Lebzeiten.

Den Schwanengesang eines Werbe-Genres kann man derzeit auf den Plakatflächen sehen; zum einen klebt man jetzt überall Monitore hin, wo früher Plakate hingen (und schaltet darauf gleich die Stromversorgerwerbung), das aussterbende Medium ist aber die schon seit Jahren, ach, Jahrzehnten tote Tabakreklame. „Don’t be a maybe“ versalbuchstabt Marlboro (hätten sie’s erkannt? Das waren die mit den Cowboys früher) vor sich hin, nach viel Typo jetzt auch mit verkniffenem Mädel, das sicher auch irgendwann sterben will. Ja, die Retusche ist schlecht, aber das Motiv ist noch viel schlechter und die Idee so schlecht, die ist bestimmt in einem sechsstündigen Workshop entstanden.

 

Die stirbt garantiert auch mal

Rauchen kann vielleicht tödlich sein

Bald, in einem Monat schon ist OB-Wahl in Frankfurt. Die CDU setzt jetzt auf die bewährt schlechte Wirkung von s/w-Plakaten, ansonsten ist der bunte Plakatwald ein hübscher Vorfrühling und ein nettes Schauspiel Knarf Truf.

Plakat des Schauspiels Frankfurt

Das beste Plakat überhaupt

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