Nein, nee, nö, noah …

4. April 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

… ich werde mir nicht „Noah“ ansehen. Weil ich nicht weiss, was ich davon halten soll: ist das jetzt ein Mega-Sandalenfilm, gewissermaßen das moderne CGI-Peplum-Movie, das sich an Bibelinhalten orientiert? Oder meint hier jemand etwas ERNST, versucht gleichsam die abstrusen Vorstellungen eines hölzernen Kastens (und, oh je, es ist wirklich ein Kasten), in den alle Tiere groß und klein rein passen, mit CGI-Technik zu „realisieren“ – weil, schließlich steht’s so in der Bibel, was in der Bibel steht ist wahr, und wenn wir heute mithilfe der Technik das ganze visualisieren können gibt es bestimmt ein paar Leute mehr, die diese Geschichte glauben, weil sie sie sehen.

Erwiesenermaßen gibt es nach Spartanerfilmen wie „300“ und „Nochmal 300“ einige, die der Meinung sind, Spartaner wären Zeit ihres Lebens mit muskulösen Bodies halbnackt rumgelaufen, hätten die ganze Zeit von Ehre und Freiheit gebrabbelt und Schwerter geschwungen. Diese armen Menschen! Ein sehr schöner Artikel von Esther Inglis-Arkell im iO9 beschreibt sachlich, dass den spartanischen Way of Life mehr Angst als Tapferkeit prägte und die Spartaner, Wanderer, kommst du nach ebenda, berichte dorten: genau so oft in den Arsch getreten bekamen, wie sie selbst austeilten.

Nun, das Bodybuilder-Sparta ist ein Mythos. Noah ist auch ein Mythos. Wer ist noch ein Mythos? Katharina von Alexandria. Diese Heilige des 3./4. Jahrhunderts weist so viele Ähnlichkeiten zur historischen Wissenschaftlerin Hypatia auf, dass es mehr als naheliegt, in ihr eine Umprägung der historischen Person zu sehen: aus Hypatia, die als Gelehrte und Heidin von einem christlichen Mob ermordet wurde, machte die Heiligenlegende des Mittelalters die „reine“ Katharina, welche natürlich Gelehrte und Christin war und von Heiden ermordet wird.

Und dem Film über Hypatia, „Agora“, folgt jetzt ein Rip-off über die Raubkopie, „Katharina von Alexandria“, der gewissermaßen alles wieder ins rechtgläubige Licht rücken soll. Letzterer Film ist vor allem deshalb interessant, weil der steinalte Peter O’Toole darin seine letzte Rolle hatte. 

Denn – womit haben wir es zu tun? Mit Propaganda und Gegenpropaganda. Andersrum funktionierte das bei den „Chroniken von Narnia“, dem C. S. Lewis Märchen vom Löwenjesus, und dem „Goldenen Kompass“, der weitaus besser besetzten Gegenutopie von Philip Pullman. Die weiteren Filme der „Dark Materials“ Trilogie Pulmans wurden von der katholischen Kirche verhindert. Zugegeben, im dritten Buch „Das Bernsteinteleskop“ besiegt eine Armee aufständischer Engel und Menschen den altersschwachen Gott und errichtet eine Republik des Himmels – es ist nachvollziehbar, dass sich Katholiken mit dieser Utopie nicht anfreunden können. Mit Protest und Kirchenbann Filme/Kunstwerke zu verhindern zeugt allerdings von einem wirklich kleinen Geist … und dabei sind sie sich doch so sicher, dass sie einen haben (Geist).

Seltsam, ich finde Arnold Schwarzenegger als „Salvator“ weitaus lästerlicher als die offenen Angriffe der „Dark Materials“. Aber der ganze hanebüchene Exorzisten-Vampire-Quatsch passt offenbar irgendwie doch ins Konzept.

Und nun nur noch eins: Katholiken stehen auf Tauben. Tauben befinden sich auch in der U-Bahn, im Restaurant und auf der Kegelbahn (Bowlinghalle). Ich halte es mit den ungleich wertvolleren Vögeln, der anderen, flatternden, zwitschernden Baggage, meinen Lieblingsvögeln.

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