Der Monster Film

19. Mai 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun habe ich einige Kritiken des Monsterfilms „Godzilla“ gelesen und schließlich den Film selber gesehen, in der exquisiten Gesellschaft meines lieben Schwiegervaters, im dicht gepackten „Cinedom“ meiner Wahlheimat Köln. 

Garteth Edwards ersten Film „Monsters“ liebe ich. Selten habe ich einen so schönen, ruhigen Monsterfilm gesehen – mit einer Welt, in der plötzlich nicht mehr „der Mensch“ im Mittelpunkt steht sondern „die Biosphäre“, in der die Hauptdarsteller (keine Helden) beinahe ziellos herumdriften. Die Bilder des Films sind bemerkenswert in ihrer Schönheit und ihrer Außergewöhnlichkeit. Das „Low Budget“ des Films war vermutlich eine seiner Stärken: Durch das Fehlen eines regulären Drehbuchs wurde nicht so viel herumgelabert, und das gesprochene Wort hatte den authentischen Charme des Improvisierten.

Klar ist es schwer, an so glückhaftes Geschick anzuschließen. Auch „Godzilla“ hat vereinzelt diese betörenden Bilder – wenn auch nicht das finstre Glück von „Monsters“, echte Hurrikan-Zerstörungszonen als Szenario nutzen zu können. Viel Geld schafft viele Möglichkeiten – und schließt andere (ungewohnte, zufällige) aus. Ich hätte nicht gedacht, dass man auch als Regisseur besser mit objets trouveés arbeiten kann. Offensichtlich doch.

Am besten kann man diese neue Interpretation des Epos von der Riesenechse genießen wenn man sich den Titel des Films in „Godzilla gegen MUTO“ oder „Godzilla – Kampf der Urzeitmonster“ verändert vorstellt: und sich für zwei Stunden in eine hochtechnisierte Fassung eines Godzilla-Sequels aus dem Japan der 70er zurückversetzt fühlt. Dieser Film will nicht, wie Emmerichs Ungetüm von 1999, mal wieder alles neu, alles auf Anfang setzen: das Monster aus der Tiefe ist schon irgendwie bekannt und dann auch wieder da. Hier geht es um ein Remake der billigen, fröhlich-blöden Fortsetzungsfilme, in denen Männer in Plastikechsenanzügen durch Pappmaché-Kulissen stolperten und gegen andere Kerle in noch unglaubwürdigeren Kostümen anbufften. 

Und irgendwie sind auch die Gegenspieler-Monster des Godzilla 2014 so richtig scheiße gestaltet, fast so blöde wie das alte Stop-Trick-Monster „King Gidorah“ (einer der klassischen Godzilla-Kontrahenten) mit seinen drei Köpfen. Wenn man also die Augen zusammenkneift und sich in seine allerfrüheste Jugend zurückversetzt, dann …

… erkennt man, dass die Kids im Kino um mich herum alle in dieser allerfrühesten Jugend sind. Schwiegervater Werner und ich sind mit Abstand die ältesten im Saal.

Technische Perfektion ist kein Kriterium mehr, das A-Movies von B und C unterscheidet; selbst dem notorischen Vor-Abkupferbetrieb „Asylum“ gelingen schlimme, aber technisch glatte Filme. Die Zerstörung von, in chronologischer Reihenfolge, einer anonymen Großstadt in Japan (effektvoll vom Dschungel [in Japan?] überwuchert), Honolulu, Las Vegas und San Francisco durch ihren-Beruf-ausübende Monster ist Fleißarbeit für 3-D-Künstler, aber auch – in einer gewissen Form – beliebig. Im Grunde genommen hätte man mit den Szenen auch den ganzen Film füllen können. Eigentlich ist es eine Frage der Zeit, bis das jemand macht … vermutlich treten hier Kostengründe ein, die animierten/gerenderten Szenen sind immer noch teurer als die gespielten.

Und das ist schade, denn die von menschlichen Darstellern gespielten/gesprochenen Szenen sind „Fluff“, Füllmaterial, hohl und leer wie Blasenfolie und gleichermaßen nur dazu geeignet, dass sich die Actionszenen nicht aneinander reiben (der Nachname des Drehbuchautors, Max Borenstein, wird englisch auf der ersten Silbe betont). Besonders auffällig wird das in der zweiten Hälfte des Films: es gibt keinen einzigen Satz, der hier nicht ein dussliges, ärgerliches Klischee ist. Am schlimmsten stößt die mirakulöse Telefonverbindung zwischen dem vollbeschäftigten Navy Leutnant Brody und seiner ebenfalls voll gestressten Frau, von Beruf OP-Schwester, auf: sie haben mehr als eine Minute Zeit, sich an antiken Schnurtelefonen „Ich liebe Dich“ zu sagen, deshalb sagen sie es, immer, immer wieder, bis man sich das/irgendein Monster herbeiwünscht. Hier stellt sich die Frage: war in Edwards’ Erstlingswerk „Monsters“ das fehlende Drehbuch ein Segen oder hat er einfach kein Gespür für Text?

Oder ist es die Kinder-Zielgruppe, welche die Textqualität flach hält? Der kann man ja nicht zumuten, dass auch nur ein Goldhamster bei der Zerstörung der Pazifik-Anrainerländer sichtbar zu Schaden kommt. Trotz der Vernichtung von immerhin vier Städten gehen alle dargestellten Szenen kindgerecht „gut“ aus: der angebundene Hund kann sich vor dem Tsunami befreien, der Mann mit dem Kind flüchtet in ein Geschäft, dessen Glasscheiben den Wassermassen standhalten, die getrennte japanische Familie findet sich wieder, und natürlich kommt auch der langweilige Held mit seiner feuchtaugigen Frau und dem hängeschnutigen Kind wieder zusammen, im mustergültig zum Hospital umgebauten Stadion von San Francisco. 

Im Hintergrund der Szene wälzt sich, die Hände vor dem Gesicht, eine Frau auf einem Feldbett. Man kann dies nur als immanente Filmkritik interpretieren. 

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