Drei Ninas

16. November 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Hier geht es um das, was im Titel steht: drei Frauen, die alle Nina heißen.

Nun sollte es klar sein, dass dieser Name vielleicht etwas weiter verbreitet ist als z. B. „Heliobakta*“, wenn ich also über drei Ninas schreibe, die ich besonders toll finde, ist es vielleicht nur eine kleine Schnittmenge der großen Menge toller Ninas in einem Universum, das möglicherweise zu 15% aus Ninas besteht. Will sagen: ich spreche über einen Zufall, nicht eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, und die Ninas dieser Welt sind höchstwahrscheinlich alle toll, ich habe aber gerade nur Zeit, über drei zu schreiben.

Die erste ist die entfernteste: Nina Paley lebt in den USA, ist Illustratorin und Animatorin**. Auf ihrem Blog bezeichnete sie sich selbst als „America’s best loved unknown cartoonist“ (http://blog.ninapaley.com/), wobei sie das „unknown“ seit dem Erfolg des Videos „This Land Is Mine“  streichen musste.
Nina Paley als ein Multitalent zu bezeichnen ist eine gemeine Untertreibung, ich glaube, sie hat mittlerweile jeden Zeichenstil, jede Form der Transformation zweidimensionaler Darstellung in sequentielle Geschichten ausprobiert und war damit erfolgreich. Neben den großen „epischen“ Filmen „Sita sings the Blues“ (eine Adaption der absurd misogynen Sita-Rama Legende aus der Bhagavad-Gita und gleichzeitig die Aufarbeitung eines Trennungserlebnis) und jetzt „Zeder-Masochism“ (das alte Testament und –? das Projekt ist noch nicht fertig, aber „This Land is mine“ ist ein Teil davon) hat sie auch eine ganze Reihe kleiner Filme produziert, die anzusehen sich lohnt.
Und damit sich das auch für sie lohnt, empfehle ich den Klick auf den „Donate“ Button, denn diese Künstlerin verteilt ihre Werke so freigebig wie die Sonne ihre Strahlen – der Erfolg von „This Land is mine“ brachte ihr erst einmal enorme Serverkosten ein.

Die zweite liegt schon deutlich hinter weniger atlantischer Seemasse*** entfernt: wenn man N I N A auf englisch buchstabiert, kommt EN I EN AY heraus, und so heißt auch ihr Laden. Enienay verarbeitet alte Kleidung – überwiegend Herrenanzüge, Herrenhemden und Schlipse, jene merkwürdig bunten, schnelllebigen Accessoires männlicher Pracht – und fertigt daraus wunderbar originelle, komplizierte, körper- und formbetonte Kleidung für Frauen. Jedes Stück ist gezwungenermaßen ein Unikat. Nirgends sieht es nach „Flicken“ aus. Die Eleganz (und Absurdität, zumindest bei den Schlipsen) der männlichen Kleidungsstücke morpht fließend in die neuen, weiblichen Formen um.
Im von Mode nicht gerade ungesegneten London stach bei den Besuchen von Sabine und mir dieser Laden heraus wie die Nummer drei der acht Planeten um die Sonne. Glückliche Zufälle kamen dazu: beim ersten Besuch war sie gerade an einem der zwei Tage pro Woche mit ihrem Stand vertreten, beim zweiten Besuch war gerade Eröffnungstag ihrer kleinen Boutique um die Ecke. Dann besuchte eine Freundin von uns dieses Jahr London, fand zufällig diesen Laden und berichtete uns emsig von diesem Laden, und wir so: Ja ja, die Enienay, die kennen wir seit 2009 …

Die dritte ist die Nächste in Raum, Zeit und Verbundenheit: Nina Hempel lebt in Köln, sogar in der Nähe, ich habe sie kennengelernt bevor mir meine Damals-noch-nicht-Frau ihre Eltern vorgestellt hat, und die mitunter sanft schubsende Tatze des Karma hat sie zur Freundin und Trauzeugin von Sabine und mir gemacht. Nina betreibt mit ihrer Freundin Moni Wallberg den Laden „Blauer Montag“ auf der Limburger Straße in Köln; dort findet man (wie der Name sagt) von Dienstag bis Samstag eine der beiden hinter der Theke, Kleider für Mann und Frau an der Wand und natürlich Beratung.
In Ninas (und Monis) Sachen steckt unglaublich viel Liebe (ist auch der Claim von www.blauer-montag.com „Weil wir lieben was wir tun!“ Ja!): Liebe zu den Menschen, die darin stecken sollen, zur Mode, zu guter Musik und Party (die Montäglerinnen lieben gute Partys und haben gerne nette Menschen um sich herum). Die Stoffe werden mit Bedacht und Humor ausgewählt und sorgfältig verarbeitet. Und meine Frau sieht in den Kleidern von Nina Hempel so gut aus, dass ich sie zum einen einfach heiraten musste und, zum anderen, mittlerweile ein großer Teil der Kleider in unserem Schrank aus der Limburger Straße kommt. So tolle Sachen, so eine tolle Freundin! Und ihr könnt ihre Sachen auch online kaufen****:  Der DaWanda-Shop macht das Bestellen einfach und sicher. Schöner ist natürlich Stöbern und Anprobieren, aber wenn ihr in Sprockhövel wohnt, ist DaWanda echt eine Alternative.

Also, drei Ninas, alle drei jede für sich so kreativ wie ganze Jahrgänge von Fachhochschulabsolventen. Geht hin und unterstützt sie.

*Tochter von Prof. Klöpke beim unvergleichlichen Tom.
** Trickfilmerin, nicht Animateurin – das sind die Figuren, die im Urlaubsgewerbe mit guter Laune um sich schmeißen.
*** Nur einen Ärmel Kanal, sie wohnt in London und hat ihren Laden (hoffentlich noch) im Spitalfields Market.
**** Bei Nina Paley spenden und Enienay in London besuchen ist natürlich auch drin.

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