Der Monster Film

19. Mai 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun habe ich einige Kritiken des Monsterfilms „Godzilla“ gelesen und schließlich den Film selber gesehen, in der exquisiten Gesellschaft meines lieben Schwiegervaters, im dicht gepackten „Cinedom“ meiner Wahlheimat Köln. 

Garteth Edwards ersten Film „Monsters“ liebe ich. Selten habe ich einen so schönen, ruhigen Monsterfilm gesehen – mit einer Welt, in der plötzlich nicht mehr „der Mensch“ im Mittelpunkt steht sondern „die Biosphäre“, in der die Hauptdarsteller (keine Helden) beinahe ziellos herumdriften. Die Bilder des Films sind bemerkenswert in ihrer Schönheit und ihrer Außergewöhnlichkeit. Das „Low Budget“ des Films war vermutlich eine seiner Stärken: Durch das Fehlen eines regulären Drehbuchs wurde nicht so viel herumgelabert, und das gesprochene Wort hatte den authentischen Charme des Improvisierten.

Klar ist es schwer, an so glückhaftes Geschick anzuschließen. Auch „Godzilla“ hat vereinzelt diese betörenden Bilder – wenn auch nicht das finstre Glück von „Monsters“, echte Hurrikan-Zerstörungszonen als Szenario nutzen zu können. Viel Geld schafft viele Möglichkeiten – und schließt andere (ungewohnte, zufällige) aus. Ich hätte nicht gedacht, dass man auch als Regisseur besser mit objets trouveés arbeiten kann. Offensichtlich doch.

Am besten kann man diese neue Interpretation des Epos von der Riesenechse genießen wenn man sich den Titel des Films in „Godzilla gegen MUTO“ oder „Godzilla – Kampf der Urzeitmonster“ verändert vorstellt: und sich für zwei Stunden in eine hochtechnisierte Fassung eines Godzilla-Sequels aus dem Japan der 70er zurückversetzt fühlt. Dieser Film will nicht, wie Emmerichs Ungetüm von 1999, mal wieder alles neu, alles auf Anfang setzen: das Monster aus der Tiefe ist schon irgendwie bekannt und dann auch wieder da. Hier geht es um ein Remake der billigen, fröhlich-blöden Fortsetzungsfilme, in denen Männer in Plastikechsenanzügen durch Pappmaché-Kulissen stolperten und gegen andere Kerle in noch unglaubwürdigeren Kostümen anbufften. 

Und irgendwie sind auch die Gegenspieler-Monster des Godzilla 2014 so richtig scheiße gestaltet, fast so blöde wie das alte Stop-Trick-Monster „King Gidorah“ (einer der klassischen Godzilla-Kontrahenten) mit seinen drei Köpfen. Wenn man also die Augen zusammenkneift und sich in seine allerfrüheste Jugend zurückversetzt, dann …

… erkennt man, dass die Kids im Kino um mich herum alle in dieser allerfrühesten Jugend sind. Schwiegervater Werner und ich sind mit Abstand die ältesten im Saal.

Technische Perfektion ist kein Kriterium mehr, das A-Movies von B und C unterscheidet; selbst dem notorischen Vor-Abkupferbetrieb „Asylum“ gelingen schlimme, aber technisch glatte Filme. Die Zerstörung von, in chronologischer Reihenfolge, einer anonymen Großstadt in Japan (effektvoll vom Dschungel [in Japan?] überwuchert), Honolulu, Las Vegas und San Francisco durch ihren-Beruf-ausübende Monster ist Fleißarbeit für 3-D-Künstler, aber auch – in einer gewissen Form – beliebig. Im Grunde genommen hätte man mit den Szenen auch den ganzen Film füllen können. Eigentlich ist es eine Frage der Zeit, bis das jemand macht … vermutlich treten hier Kostengründe ein, die animierten/gerenderten Szenen sind immer noch teurer als die gespielten.

Und das ist schade, denn die von menschlichen Darstellern gespielten/gesprochenen Szenen sind „Fluff“, Füllmaterial, hohl und leer wie Blasenfolie und gleichermaßen nur dazu geeignet, dass sich die Actionszenen nicht aneinander reiben (der Nachname des Drehbuchautors, Max Borenstein, wird englisch auf der ersten Silbe betont). Besonders auffällig wird das in der zweiten Hälfte des Films: es gibt keinen einzigen Satz, der hier nicht ein dussliges, ärgerliches Klischee ist. Am schlimmsten stößt die mirakulöse Telefonverbindung zwischen dem vollbeschäftigten Navy Leutnant Brody und seiner ebenfalls voll gestressten Frau, von Beruf OP-Schwester, auf: sie haben mehr als eine Minute Zeit, sich an antiken Schnurtelefonen „Ich liebe Dich“ zu sagen, deshalb sagen sie es, immer, immer wieder, bis man sich das/irgendein Monster herbeiwünscht. Hier stellt sich die Frage: war in Edwards’ Erstlingswerk „Monsters“ das fehlende Drehbuch ein Segen oder hat er einfach kein Gespür für Text?

Oder ist es die Kinder-Zielgruppe, welche die Textqualität flach hält? Der kann man ja nicht zumuten, dass auch nur ein Goldhamster bei der Zerstörung der Pazifik-Anrainerländer sichtbar zu Schaden kommt. Trotz der Vernichtung von immerhin vier Städten gehen alle dargestellten Szenen kindgerecht „gut“ aus: der angebundene Hund kann sich vor dem Tsunami befreien, der Mann mit dem Kind flüchtet in ein Geschäft, dessen Glasscheiben den Wassermassen standhalten, die getrennte japanische Familie findet sich wieder, und natürlich kommt auch der langweilige Held mit seiner feuchtaugigen Frau und dem hängeschnutigen Kind wieder zusammen, im mustergültig zum Hospital umgebauten Stadion von San Francisco. 

Im Hintergrund der Szene wälzt sich, die Hände vor dem Gesicht, eine Frau auf einem Feldbett. Man kann dies nur als immanente Filmkritik interpretieren. 

Drei Aspekte von „Abgehobenheit“

17. April 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

1. Trends

Komplexe Anforderungen und jüngst erfundene Lösungsmöglichkeiten ergeben oft zeitgebundene Designs. Eine komplexe Anforderung könnte sein, ein „auf mich zugeschnittenes Möbelstück“ zu entwerfen; da der Designer gerade in einer Hybris-Phase ist, sieht evtl. jedes Möbelstück wie ein Thron aus. Eine andere Aufgabe könnte sein, „lass die Headline toll heraustreten“, da der Designer kurz vorher gelernt hat, Schatten unter die Schrift zu setzen, bums, hat die Schrift ’nen Schatten. Au weia!  

Alle möchten gerne zeitloses Design machen, alle schütteln sich, wenn sie es ein paar Jahre später sehen: puh, da steht ein Nierentisch! Eine bizarre Form, für alle unverständlich, die nicht gerade genau denselben Design-Hintergrund haben wie der Gestalter. Geschaffen aus einer Mode heraus, von der man noch nicht annahm, dass sie eine Mode sei, es war nur irgendwie das Beste, was es je gab. Dieses „Beste“ war, in chronologischer Reihenfolge:

– in den 50ern: abstrakte Kunst als Gebrauchsgrafik,
– in den 60ern: Farb-Offsetdruck und Siebdruck,
– in den 70ern: Trickblenden im Film,
– in den 80ern: Memphis-Design,
– in den 90ern: Word Art in DTP und animierte Logos im Fernsehen,
– in den 00ern: Flash und Intro-Sites,
– Anfangs der 10er: Skeuomorphismus.

„Zeitlos“ wäre also, was es schafft, entweder a. keine Reibungsfläche zu nachfolgenden Moden zu bieten, oder b. genügend Projektionsfläche zu besitzen, damit neue Interpretationen und Sichtweisen abgebildet werden können. 

a. Biedermeiermöbel sind zeitlos: sie sind schlicht, funktional und überzeugen durch Material und Proportionen.

b. Star Wars ist zeitlos: einer schlichten Story sind reichhaltige Möglichkeiten der Erweiterung und Erneuerung zugeordnet.

Das Problem mit a.: Material und Proportionen sind heute Sachen, die den Gentrifizzies im „Manufaktum“-Kundenstamm vorbehalten sind; Android-Design z. B. ist im Gegensatz dazu eher eine Minimierung der Möglichkeiten, Fehler zu machen, als wirklich zeitlos.

Das Problem mit b.: wenn die schlichte Story schlicht erweitert wird, ist die Enttäuschung umso größer (dass es auch anders geht, zeigt „Game of Thrones“). 

Als Positivbeispiel wähle ich LEGO. Der große Erfolg von LEGO ergibt sich u. a. daraus, dass a. und b. in einer glückliche Kombination zusammenkommen: der einzelne LEGO-Stein ist ausgewogen, in sich harmonisch und einfach; die Anwendung der LEGO-Steine ist das absolut vielfältigste, was möglich ist. Nicht von ungefähr ist Star Wars LEGO eine ideale Verbindung (und besser als alles, was J. J. Abrams brauen kann).

 

2. Anbiederung

Im Kommunalwahlkampf ist der CDU in der Litho der Strich verrutscht:

Sowas kann passieren

Das passiert schonmal.

Obendrein wundert mich der Claim „Wir leben diese Stadt“. Entweder ist es ein Druckfehler („Wir loben diese Stadt“) oder aber „leben“ wird als transitives Verb begriffen; eine Steigerung des Partizip Perfekt davon wäre also „verlebt“. Das kommt hin. Während der CDU-Herrschaft wurde unendlich viel Geld aus öffentlichen in private Taschen gepumpt, die Stadt ist seitdem um einiges verlebter geworden.

Für eine verlebte Stadt.

Für eine von der CDU verlebte Stadt.

Die SPD lässt auch etwas weg in ihrer Aussage:

Ihr könnt uns auch.

Ihr könnt uns auch.

Offen bleibt nämlich, was diese Partei Köln einmal wirklich kann. „Buckel runter rutschen“ ist da noch das Netteste.

Aber vielleicht ist es auch gar nicht so erstrebenswert, in Köln zu regieren. Schließlich sind die Kölner ein Volk von Weichduschern.

 

Weichduscher!

Ey Du Weichduscher!

 

3. Heißluftballonfahren

Nie im Leben hätte ich gedacht, dem Karnevalsliedtext Wicky Junggeburths aufzusitzen, zu sehr war ich „Immi“ und stolz darauf, nicht am Flönzchauvinismus teilzuhaben. Doch dann schenkten mir die Ex-Kollegen der guten Agentur Namics einen Erlebnisgutschein und knapp zwei Jahre später hob es Sabine und mich am Butzweilerhof in die Lüfte, nieder gingen wir in Flittard. In der anschließenden Ballonfahrertaufe wurde mir der Name „Prinz der Lüfte Jan hocherhobener Himmelsstürmer über dem heilige Kölle“ zuteil. Sowas!

Das Ballonfahren kann ich allen empfehlen, die vom Fliegen träumen, es ist ein ausgesprochen schönes Erlebnis, auch wenn man vielleicht feststellen muss, dass die Welt zu einem erstaunlich großen Teil aus Güterbahnhöfen und Schrottplätzen besteht. Von oben ist das alles einerlei. 

Die fliegende Kopfschmerztablette

Die fliegende Kopfschmerztablette

Nein, nee, nö, noah …

4. April 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

… ich werde mir nicht „Noah“ ansehen. Weil ich nicht weiss, was ich davon halten soll: ist das jetzt ein Mega-Sandalenfilm, gewissermaßen das moderne CGI-Peplum-Movie, das sich an Bibelinhalten orientiert? Oder meint hier jemand etwas ERNST, versucht gleichsam die abstrusen Vorstellungen eines hölzernen Kastens (und, oh je, es ist wirklich ein Kasten), in den alle Tiere groß und klein rein passen, mit CGI-Technik zu „realisieren“ – weil, schließlich steht’s so in der Bibel, was in der Bibel steht ist wahr, und wenn wir heute mithilfe der Technik das ganze visualisieren können gibt es bestimmt ein paar Leute mehr, die diese Geschichte glauben, weil sie sie sehen.

Erwiesenermaßen gibt es nach Spartanerfilmen wie „300“ und „Nochmal 300“ einige, die der Meinung sind, Spartaner wären Zeit ihres Lebens mit muskulösen Bodies halbnackt rumgelaufen, hätten die ganze Zeit von Ehre und Freiheit gebrabbelt und Schwerter geschwungen. Diese armen Menschen! Ein sehr schöner Artikel von Esther Inglis-Arkell im iO9 beschreibt sachlich, dass den spartanischen Way of Life mehr Angst als Tapferkeit prägte und die Spartaner, Wanderer, kommst du nach ebenda, berichte dorten: genau so oft in den Arsch getreten bekamen, wie sie selbst austeilten.

Nun, das Bodybuilder-Sparta ist ein Mythos. Noah ist auch ein Mythos. Wer ist noch ein Mythos? Katharina von Alexandria. Diese Heilige des 3./4. Jahrhunderts weist so viele Ähnlichkeiten zur historischen Wissenschaftlerin Hypatia auf, dass es mehr als naheliegt, in ihr eine Umprägung der historischen Person zu sehen: aus Hypatia, die als Gelehrte und Heidin von einem christlichen Mob ermordet wurde, machte die Heiligenlegende des Mittelalters die „reine“ Katharina, welche natürlich Gelehrte und Christin war und von Heiden ermordet wird.

Und dem Film über Hypatia, „Agora“, folgt jetzt ein Rip-off über die Raubkopie, „Katharina von Alexandria“, der gewissermaßen alles wieder ins rechtgläubige Licht rücken soll. Letzterer Film ist vor allem deshalb interessant, weil der steinalte Peter O’Toole darin seine letzte Rolle hatte. 

Denn – womit haben wir es zu tun? Mit Propaganda und Gegenpropaganda. Andersrum funktionierte das bei den „Chroniken von Narnia“, dem C. S. Lewis Märchen vom Löwenjesus, und dem „Goldenen Kompass“, der weitaus besser besetzten Gegenutopie von Philip Pullman. Die weiteren Filme der „Dark Materials“ Trilogie Pulmans wurden von der katholischen Kirche verhindert. Zugegeben, im dritten Buch „Das Bernsteinteleskop“ besiegt eine Armee aufständischer Engel und Menschen den altersschwachen Gott und errichtet eine Republik des Himmels – es ist nachvollziehbar, dass sich Katholiken mit dieser Utopie nicht anfreunden können. Mit Protest und Kirchenbann Filme/Kunstwerke zu verhindern zeugt allerdings von einem wirklich kleinen Geist … und dabei sind sie sich doch so sicher, dass sie einen haben (Geist).

Seltsam, ich finde Arnold Schwarzenegger als „Salvator“ weitaus lästerlicher als die offenen Angriffe der „Dark Materials“. Aber der ganze hanebüchene Exorzisten-Vampire-Quatsch passt offenbar irgendwie doch ins Konzept.

Und nun nur noch eins: Katholiken stehen auf Tauben. Tauben befinden sich auch in der U-Bahn, im Restaurant und auf der Kegelbahn (Bowlinghalle). Ich halte es mit den ungleich wertvolleren Vögeln, der anderen, flatternden, zwitschernden Baggage, meinen Lieblingsvögeln.

Nur ein paar Notizen

22. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Also, zum einen: Gott sei Dank für schwule Leute (Heterosexuelle jeden Geschlechts). Warum das? Ganz einfach: diese Leute haben sich mindestens einmal, wahrscheinlich aber eine ganze Zeit lang mit sich selbst beschäftigt, ihre eigene Identität infrage gestellt, waren Zweifeln und Unsicherheiten ausgesetzt. Und haben sich zu einer Identität bekannt, sind zu einem Ergebnis gekommen. Das Elend und die Blödheit dieser Welt geht von der bauchzufriedenen Selbstsicherheit des Unangezweifelten aus. Was nicht heißen soll, dass einige Dinge, die „schon immer so waren“ und „ sich so gehören“ automatisch schlecht sind; man sollte sich aber die Zeit nehmen, drüber nachzudenken, ob es nicht anders oder besser geht.

Was sich so gehört: Antworten zum Beispiel. Wenn jemand eine Stellenausschreibung ins Netz setzt und bekommt daraufhin Mails und antwortet nicht auf diese, also gar nicht, der hat keine Manieren und macht seinen Eltern Schande. Ja, damit meine ich auch gewisse schweizer Consultants, die Bewerber zwei Kreativpräsentationen machen lassen und sich dann tot stellen. Wenn das ihre Mama wüsste, sie würde bittere Tränen in die Schürze schluchzen und alle jene Gelegenheiten bedauern, bei denen sie ihren Sohn nicht verkloppt hat.

Und da ich hier auch positives posten soll, anbei ein paar schöne Dinge:

Ein Blobfish-Helm aus der Rüstkammer des Prager Hradschin

Blobfish Helm

Das häßliche Gesicht des Krieges

Ein schönes Essen im Minirestaurant „Le Bouffon“

Le Bouffon, Köln Sülz

Reservierung erbeten

Die Spotify-Playlist von WIRED gefällt mir auch

In der nächsten Woche blühen wieder die Bäume in der Nelkenstraße, welche dann für eine Woche die schönste Straße der Stadt (ja, ganz Kölns) ist. Sie ist nur etwa 50 Meter lang, ein Besuch lohnt sich trotzdem.

Keine Angst vor dem Universums-Stulp

22. Februar 2014 § Ein Kommentar

Wieder muss ich Wuppertal preisen, diese merkwürdige Stadt, die wenig von sich reden macht, die selten in Schlagzeilen gerät, die sich nicht unter die Angeberstädte im Bund mischt, welche große Projekte oder zumindest große Skandale beheimaten; Wuppertal, das es unter diesem Namen noch keine hundert Jahre gibt, das schon schwebebahnte, als man in Köln noch lange nicht u-te, in dem getanzt wurde, als alle anderen schwanenseeten.

Ich möchte ums Verrecken nicht in Wuppertal wohnen, dafür ist die Stadt einfach zu bestürzend hässlich. Alle Städte sind bestürzend häßlich, wenn man abends im Februar bei Regen hereingefahren kommt, aber Wuppertal legte noch eins drauf. Angeblich wurde hier die Industrialisierung Deutschlands erfunden, nun, in Wuppertal ist sie gelungen, die Stadt sieht ziemlich industrialisiert aus.

Also preise ich nicht die Schönheit Wuppertals, was dann? Geist, Erfindergabe, Witz? Ja genau. Und die Frechheit, Anmaßung, Dreistigkeit (so übersetzt Wikipedia „Chuzpe“) Neues zu machen.

Als ich davon erfuhr, dass im städtischen Opernhaus Eugen Egners „Universums -Stulp“ aufgeführt werden sollte, bestellte ich fast umgehend Karten und erhielt zwei der letzten zehn. Eugen Egner ist einer der Autoren, die ich am meisten verehre. Alle paar Jahre erscheint von ihm ein Buch, meistens mit Kurzgeschichten, in einem anderen Verlag; in etwa einem gleichen Takt strahlt der WDR Hörspiele aus, von denen ich nur zu spät etwas mitbekomme und die dann nur höllisch schwer aufzutreiben sind. Alle paar Wochen erscheinen sehr kurze Geschichten in der „Wahrheit“, der letzten Seite der „taz“, die ich mitunter nur aus diesem Grunde abonniert zu haben meine; monatlich erscheinen Zeichnungen Egners in der „Titanic“, dafür reicht die Begeisterung dann doch nicht.

Stuck im Wuppertaler Opernhaus

So sieht es im Wuppertaler Opernhaus aus

Egner spielt auch in einer Band mit, „Gorilla Moon“, aber meine persönliche Meinung ist, dass er das lassen sollte und lieber schreiben.

Gleichviel.

Dass Egners „Der Universums-Stulp“ in eine moderne Oper verwandelt werden konnte vermuteten außer denjenigen, die es dann taten, wahrscheinlich nur wenige. Dass diese Oper dann in Wuppertal uraufgeführt werden konnte, war schon wahrscheinlicher (wo sonst?). Es haben sehr gute Künstler dran mitgearbeitet, z. B. der Komponist Stephan Winkler, der Regisseur Thierry Brühl, der Bühnenbildner Bart Wigger und das Ensemble Musikfabrik. Die SängerInnen sangen und spielten, als ginge es um ihr Leben. Ohne auf nähere Details der Handlung einzugehen kann ich behaupten, dass der Abend ein großartiges Erlebnis war, das den Weg nach Wuppertal (ca. 40 km von Köln) lohnte. Vor allem hätte sich in Köln nie jemand getraut, ein solches Stück auch nur mit der Grillzange anzufassen.

Einführung in die Oper

Eine Einführung in die Oper

Über den Inhalt des „Universums-Stulp“ sage ich nichts, aber: wer hier meint, einen „absurden Spaß“ oder „schwarzen Humor“ zu entdecken, täuscht sich, und wer als Journailist so etwas seinem wehrlosen Publikum auftischt, täuscht dieses.

Es geht um Drogen, Mord, Tod; das skrupellose Erschaffen und Vernichten von Leben. Es geht um Gier, Illusionen, Eitelkeit und dumpfe Brunst. Vergnügungssucht. Religiösen Wahn. Politische Gewalt. Künstlerische Leere. Und nur wer sich preussischster Starrsinnigkeit oder kleinparteilichster Engstirnigkeit befleissigt (bzw. damit geschlagen ist) erkennt nicht, dass das als „absurd“ bezeichnete Stück einen tiefen Realismus innehat, der ehrlicher, wahrhaftiger und unverblümter daherkommt als das, was man auf „Tagesschau“ angucken kann.

Zweite Hälfte des Stückes

Zweite Hälfte des Stückes

Weitere Aufführungen sind am 07. und 30. März, am 04. März gibt es eine Abendveranstaltung mit Egner und Winkler, bei der ich, scheiße, leider nicht dabei sein kann; ich hoffe sie wird von einem verantwortungsvollen Sender aufgezeichnet und zu besten Sendezeiten gebracht oder zumindest von Anwesenden gefilmt und auf Youtube gestellt.

Ich geh‘ zum Lachen in den Norden

1. Januar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Abwasser- und die Fernseh-Kanäle haben, da sind sich die meisten einig, auch inhaltlich viel gemeinsam. Doch gibt es einen Silberstreif am Horizont, und zwar genau da, wo die Sonne sonst nicht steht und wo die Leute vom Rest der Republik eigentlich gern als „unterkühlt“ und „steif“ verunglimpft werden: im Norden.

In diesen Tagen ist es der NDR, der die beste Satire, die witzigsten Talkshows, die lustigste Comedy und die schrägsten Serien macht. Die beste Satire dieser Tage gibt es definitiv bei Extra 3. Wahrscheinlich sogar die einzige Satire. In den meisten anderen Sendern hat Mario-Barth-Comedy das professionelle Lachen an die Wand gefahren; es lacht sich breitenverständlicher und einfacher, wenn man sich über die noch Blöderen erheben kann, als wenn man sich tatsächlich mit den „Großen“ anlegt. Klar, es gibt die Heute Show mit dem unvergleichlichen Gernot Hassknecht, aber wo man sonst hinschaut ist das Schema gleich: ein Spassmacher (meistens männlich) latscht in den mit gutmütigen Menschen gefüllten Studioraum, rudert mit den Armen und reisst Possen über alle anderen.

Im NDR geht man die  Leute an, die es tatsächlich verdient haben.

Ich mag es ja gar nicht, wenn die Spassmacher beim Spassmachen selber lachen; der einzige, der das gut kann, ist Josef Hader und bei dem ist das eher ein verwundertes Lächeln darüber, dass das Publikum etwas versteht. Im Norden lacht niemand. Selbst wenn es an tatsächliche Comedy geht, überragt der NDR vom Niveau her alpenmäßig die süddeutsche Pampa.

Deshalb, ein Hoch auf den Norden, und tief empfundene Verachtung für die gehirnstrubbeligen Kabelgesellschaften, welche „Pro 7 Maxx“ auf den Kanalplatz vom NDR gelegt haben.

Und nun zu etwas anderem.

„Stehle von den Reichen und gib den Armen“ ist ein Motto, das die meisten Nichtreichen gerne unterschreiben. Natürlich gilt das auch für Ideen. Wie arm ist eigentlich der Schweizer Konzern Migros, wenn er eine Idee detailgetreu klaut und das Ergebnis für sich werben lässt? Das Internet der Facebookzeit hat zwar eine Aufmerksamkeitsspanne von zwei Stunden und die Kiddies, die jetzt was „Neues“ sehen, wissen nicht, dass das vor vier Jahren schon mal der Renner war, aber dafür gibt es ja digitale Mummelgreise wie mich die dann sagen: Migros, ihr habt schamlos geklaut, dafür solltet ihr Euch schämen (und die Agentur, die das für Euch zusammengestöpselt hat – ich hoffe nicht, dass das meine alte Namics war)

Vergleicht selbst Original und Fälschung. Es ist beschämend, die Witze sind bis ins Detail hinein geklaut.

Und nun noch was anderes.

Ihr kennt vielleicht meine ambivalente Haltung zum Kölner Dom, dahinter steht eine auch eher ambivalente Haltung zum Thema „historische Rekonstruktionen“. In den letzten Tagen kursierte zumindest im Kölner Umfeld ein liebevoll gemachtes Video, das heutige und alte Aufnahmen zu einer Vision eines „unzerstörten Köln“ kombiniert. Hier ist es:

Aber was hier alles so „schön alt“ aussieht, war in Wirklichkeit zum Zeitpunkt der Aufnahmen neu: schäbiger, schrummeliger Kaiser-Wilhelm-Historismus der schnörkeligsten und schwiemeligsten Art. Die eigentlichen Zerstörungen haben in den Jahren ab ca. 1850 im preussischen Köln eben diese Preussen verbockt … und die Stadt und ihre nähere Umgebung mit Prachtbauten in beliebigen „Neo“-Stilen gespickt. Wer diese Bauten heute rekonstruiert sehen möchte, baut gewissermaßen Rekonstruktionen von Fantasiebauten. Aber das sollte jetzt keinen wundern: Kaiser Wilhelm zwo lebte in seinem Kopf auch in einem nie existiert habenden Rittermärchen, das er für Geschichte hielt; wen wundert es, dass sich Leute heute mit derselben Fantasie nach einem Kaiser, wie es ihn so nicht gegeben hat, sehnen.

Schönes zum Neuen Jahr

18. Dezember 2013 § 2 Kommentare

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Liebe Lesende aller Länder, das da oben ist meine Aussendung zum Jahresende, und wenn sie Euch neu und unbekannt vorkommt, habt ihr leider keine mit der Post bekommen. Sabine rät mir, den Witz der Karte zu erläutern, dabei ist das mit der Witzeerläuterei so eine Sache: der Erläuternde, oft auch Urheber des Witzes, fühlt sich wie bei der öffentlichen Selbstkritik in totalitären kommunistischen Regimes. Okay, ich mach’s kurz:

Das ist Buddha bei die Fische

Und letztlich wünsche ich Euch, oh Lesende, genau dies: Erfüllung, Saturierung des Geschehenden mit Sinn und Inhalt, ein Leben, das, wenn es schon in krummen Bahnen verläuft – doch lauter positive Wendungen hat, ich wünsche Euch krass viel Kohle, Liebe und Friede, Streicheleinheiten im Giga- und Tera-Bereich, Gelingen Eurer hochtrabendsten Pläne, Freunde Online und in Corpore und alles was Euch Spass macht.

Das wünsche ich mir nämlich auch.

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